Von Erfindern und Unternehmern: Nicht die Technologie entscheidet, sondern das Geschäftsmodell

Technologie ist der Treiber für die Entwicklung der Wirtschaft. Ohne Musikkomprimierung gäbe es kein iTunes oder Spotify. Ohne Sensoren, die die Welt erfassen, wird es kein autonomes Auto geben, an dem Autounternehmen aber auch branchefremde Unternehmen wie Google arbeiten.

Technologie ist der Treiber, doch bleibt die Wertschöpfung nicht bei den Erfindern, sondern bei Unternehmern, die erkennen, wie sich Märkte durch radikal neue Geschäftsmodelle „umkrempeln“ lassen.

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Nicht Technologie, sondern Geschäftsmodelle, die durch Technologie ermöglicht werden, sind entscheidend. Diese Erkenntnis mag bitter für Erfinder sein, aber nicht nur Ingenieurkunst ist gefragt, sondern auch die Kunst des Unternehmers, der aus einer Technologie ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickelt.

Das ist die Kunst, die jeder Unternehmer beherrschen muss. So ist das leider, liebe Ingenieure.

Liebe die Aufgabe Deines Kunden und nicht Deine Idee

Gründer lieben ihre erste Idee. Es schon faszinierend, wenn ich mit Gründern rede und sie immer nur von ihrer Geschäftsidee reden, aber sehr wenig darüber, welchen Nutzen diese Idee bei Kunden haben könnte.

Warum sind Gründer so vernarrt in ihre Idee? Warum sind sie nicht in den Kunden vernarrt und in den Nutzen, den sie für ihn schaffen wollen?

Viele Ideen hören sich toll an, sind aber nicht relevant genug für Kunden

Häufig kommt als Argument, dass ganz viele Leute ihre Idee ganz toll fänden, wenn die Gründer die Idee vorstellen.

Tja, da ist aber ein grosser Unterschied, ob jetzt eine Idee toll ist und von allen geliebt wird oder ob eine Idee relevant für Kunden ist und Kunden bereit sich dafür auch Geld zu zahlen.

Toll ist nicht gleich relevant. Und am Ende kommt es auf Relevanz für Kunden an, denn nur so entsteht die Zahlungsbereitschaft, damit auch die Umsätze zum fliegen kommen und nicht nur die Bewertungen!

Toll ≠ relevant -> Zahlungsbereitschaft.

Gründer lernen es später. Warum nicht mal früher?

Für mich ist dieses Verhalten ein Rätsel, aber scheinbar müssen alle Gründer immer auf dem harten Weg lernen, dass eben nicht allein die Schönheit der Idee zählt, sondern die Relevanz der Idee für ein Kundensegment.

Leider haben wir genügend Investoren, die für die Hipness einer Idee gehen (Herdentrieb lässt grüssen) und weniger nach der Relevanz. Die Investoren sind in dieser Beziehung aber recht rational, da sie ja nicht mit dem Ertragsmodell des Unternehmens Geld verdienen wollen, sondern durch den Verkauf ihrer Beteiligung.

Sprich, sie müssen ein Momentum für die Idee aufbauen, sprich eine Blase generieren, um andere zu finden, die eben aufgrund der super hippen Idee eben noch mehr zu zahlen bereit sind. Dieses Spiel ist ein Schneeballsystem.

Der wahre Wert ist der Kundennutzen

Der wahre Wert eines Unternehmens liegt im Nutzen, den es für seine Kunden schafft. Je höher dieser ist, desto langfristiger ist der generierte Wert. Diese Meinung mag sich sehr konservativ anhören, aber für den normalen Gründer ist es wichtig sich allein über den Kunden und dessen Nutzen zu definieren, und nicht über die pseudo-Bewertungen, die eine hippe Idee haben könnte.

Unternehmensgeist: Wenn keine Einigkeit im Gründerteam herrscht

Ich bin auf eine tolle Seite gestossen: Let’s see what works. Eine Seite, wo Unternehmer beschreiben, was in der Realität funktioniert und was eben nicht.

Christian Häfner schreibt im letzten Beitrag, warum er beim Unternehmen Recommend.to ausgestiegen ist. Christian glaubt immer noch an die Idee. Mittels MVP (Minimal viable product) wurde die Idee getestet und auch diesen Zwischenschritt hat das Startup gut gemeistert.

So, warum steigt er jetzt aus? Hier sein Learning:

Einigkeit über die Strategie im Gründerteam ist die Grundvoraussetzung über jeden nächsten Schritt.

Der Unternehmensgeist ist der Schlüssel für den Erfolg von Startups

Gründer sind Menschen und keine Maschinen, die einfach eine Idee umsetzen. Der Unternehmensgeist muss neben all den MVPs, etc. stimmen. Vielleicht ist der Unternehmensgeist sogar wichtiger als die Idee selbst.

Im Buch schreibe ich viel über den Geist, der im Unternehmen herrschen kann. Er kann sehr gut sein, oder schlecht, wie im Beispiel vonRecommend.to. Und mit dem Schritt aus dem Unternehmen heraus, hofft Christian der Idee hinter dem Unternehmen wieder Luft zu geben, damit das Unternehmen abheben kann.

Anfänglich ist bei Startups, das Team und die gemeinsamen Werte wichtiger, als die Idee. Die Idee kann sich nur weiterentwickeln, wenn das Team stimmt. Die beste Idee wird nichts, wenn das Team nicht fundamentale Werte und Verhaltensweisen teilt!

Wer das Richtige gründen möchte, muss auch das richtige Team finden. Die Kernaufgaben des Unternehmers ist nicht nur ein Geschäftsmodell aufzubauen, dass beim Kunden funktioniert, sondern er muss auch Teambauer sein.

Haben Sie das Zeug zum Gründer? 14 Eigenschaften erfolgreicher Unternehmer

Heute ist es hipp Unternehmer zu werden, nur haben Sie das Potential dazu? Müssen Unternehmer Visionäre sein? Oder welche Eigenschaften und Kompetenzen braucht es dafür? Welche brauchen Sie, um Tech Unternehmer zu werden? Müssen Sie ein Guru im Programmieren sein oder müssen Sie eine Mischung von verschiedenen Kompetenzen und Eigenschaften sein?

Udacity, eine amerikanische Online-Academy mit starkem Fokus auf Technologie, hat eine Infographik dazu erstellt. Lohnt sich darauf zuschauen.

 

Unternehmensgründungen in Deutschland: Wo ist der Elon Musk?

Startups sind hipp. Früher wollten die Absolventen von Top-Universitäten Berater bei McKinsey oder Boston Consulting Group werden, heute Gründer.

„Gründer ist heute der Sehnsuchtsberuf“

schreibt Philipp Alvares de Souza Soares auf Spiegel Online und kritisiert gleichzeitig, dass Effizienz und Konformität im Vordergrund steht und nicht Idealismus.

Und recht hat er! In Deutschland brauchen wir weniger Shopping Portale, Esslieferdienste oder andere hippe Startups wie Putzfrauenvermittlungen.

Wir brauchen in Deutschland nicht mehr Unternehmen, die Kunden Sachen verkaufen, die sie bei allem heutigen Überfluss eigentlich gar nicht brauchen.

Bitte keine Drohnen zum Pizzaausliefern!

Selbst Gründer mit Ingenieurhintergrund werden von diesem Hippness-Virus in Berlin angesteckt. Auf einer Veranstaltung ging es darum, Ideen für die Verwendung von Drohnen zu entwickeln. Pizzalieferung mittels Drohne war ein heisses Thema. Eben typisch hipp und vollkommen unausgegorn.

  • Wo waren die Ideen für die automatische Vermessung von Gebäuden und Erstellung von 3D-Plänen mittels Drohnen?
  • Wo war die automatische Überprüfung von hohen und schwer zugänglichen Gebäuden wie Schornsteinen mittels Drohnen?
  • Wo waren die exakten, lokalen Wettervorhersagen, die mittels Schwärmen von Drohnen und viel Know-how über Meteorologie möglich sind, und von Strassenbauern unbedingt gebraucht werden?
  • Wo war die Idee, dass Drohnen für alltägliche Logistik eigentlich ungeeignet sind und autonome, selbstfahrende landbasierte Logistikfahrzeuge/ Pakete, die Zukunft der Logistik sind. Aber alle finden ein selbstfahrendes Auto oder Drohnen spannender als ein Paket, was sich nachts selbst ausliefert.

Das sind alles Idee, die nicht hipp sind. Teilweise äusserst uncool, aber einen hohen Nutzen für den Kunden haben.

Liebe Investoren, unterstützt mal das Richtige und weniger coole Ideen. Dafür müsst Ihr dann aber auch Eure Hausaufgaben machen und den Nutzen von Technologie verstehen.

Das Richtige zu gründen hat nichts mit Hippness, Effizienz und Konformität zu tun

Wo sind in Deutschland Unternehmen, die ganze Branchen umkrempeln wie Skype oder Spotify?

Wo sind unsere Googles, die für unsere Werkzeugmaschinenhersteller neue, vernetzte, offene und trotzdem sichere Betriebssysteme entwickeln und so die neue Supply- und Produktionssysteme ermöglichen, die unter Industrie 4.0 fallen.

In Deutschland haben wir die Werkzeugmaschinenbauer, die Sensorenhersteller wie SICK Sensors oder die Automatisierungsspezialisten wie Festo. Deutschland baut die Maschinen, um die physischen Produkte der Welt herzustellen. Wo sind die Startups in diesen Bereichen, die es erlauben auch diese Rolle in Zukunft einzunehmen.

Wo sind die Unternehmer, die sich mit realen Produkten beschäftigen, die keine Lifestyle-Bedürfnisse befriedigen, sondern klar definierte Kundenbedürfnisse im realen Leben.

Wo sind unsere Wikipedias, die komplett die Wissensvermittlung verändert haben?

Bitte nicht hipp sein!

Bitte liebe Gründer. Seid nicht hipp. Sucht Euch richtige Probleme, keine Lifestyle Probleme. Und liebt, was ihr macht. 

Effizienz kommt schon früh genug. Dann wenn ihr gezeigt habt, dass es euch wirklich braucht. 

Gründen Sie das Richtige

Seien Sie mutig. Setzen Sie eine besondere Idee um, die Kunden erfreut

Unser Werkzeugkasten ist für Menschen gedacht, die eine neuartige, besondere Idee für ein Unternehmen sowie den Mut haben, diese genau zu analysieren und umzusetzen.

Denn ob Sie mit Ihrer Idee Erfolg haben, hängt ganz allein davon ab, ob Sie es schaffen, Ihre Kunden zu begeistern. In diesem Punkt sind Kunden äußerst anspruchsvoll.

In diesem Buch geht es nicht darum, richtig zu gründen – dafür gibt es bereits genügend Literatur. Es geht darum, das Richtige zu gründen. Sind Sie bereit?

Für wen ist dieses Buch also nicht geeignet?

Dieses Buch ist nicht gedacht für Leute, die ein weiteres Steuerberatungsbüro, einen weiteren Friseurladen eröffnen oder eine Geschäftsidee aus Amerika kopieren wollen.

Daran ist nichts Falsches! Sie haben lediglich das falsche Buch in der Hand. Dieses Buch widmet sich neuartigen Geschäftsmodellen.

Das Richtige gründen: Werkzeugkasten für Unternehmer

Warum braucht es ein weiteres Buch für Jungunternehmer, Gründungen und Startups?

Ganz einfach. Wir brauchen in Europa mehr und bessere Startups. Und um Unternehmer zu unterstützen, brauchen wir bessere Werkzeuge, denn die meisten Werkzeuge wie Business-Plan-schreiben taugen nicht, um wirklich gute, innovative Unternehmen zu gründen, die Kunden begeistern.

Europa braucht aber genau diese Unternehmen. Unternehmen, die den Kunden in den Mittelpunkt stellen, in dem sie Technologie verwenden, um innovative, kundenzentrierte Geschäftsmodelle zu entwickeln und das geht nur, wenn Mitarbeiter Sinn in ihrer Arbeit sehen.

Aber wo sind die Werkzeuge, mit denen Gründer genau solche Unternehmen, eben „Das Richtige“ gründen können?

Warum funktionieren unsere Werkzeuge nicht?

Die heutige »BWL« oder »Business Administration« sieht die Welt durch eine enge Linse. Sie hat Werkzeuge entwickelt, um bestehende Organisationen zu beschreiben, Prozesse zu optimieren, bestehende Märke zu analysieren, bestehende Kundenbedürfnisse zu analysieren, um Branchen und deren Wettbewerbsintensität zu erklären, und um aus diesen Analysen abzuleiten, welche optimale Strategie umgesetzt werden soll. Die heutigen Werkzeuge sind auf Bestehendes und dessen Optimierung ausgerichtet.

Ähnlich ist es im »Technologie- & Innovationsmanagement«. Hier wird geforscht, wie aus technologischen Innovationen durch F&E neue Produkte entwickelt werden können, die durch Patente geschützt werden. Die entwickelten Werkzeuge sind gut für bestehende Produktionsunternehmen geeignet, nicht aber für Startups.

Die klassischen Werkzeuge der BWL helfen wenig, aus einer Idee ein tragfähiges und langfristiges Geschäft zu entwickeln. Aber genau das ist die Hauptaufgabe von Unternehmern. Unternehmer sind keine Manager. Sie müssen nichts optimieren, sie müssen aus einer Idee ein Unternehmen bauen.

Deshalb gibt es jetzt den Werkzeugkasten für Unternehmer

Gründer brauchen zwei neue Werkzeuge. Einerseits brauchen sie »neue Denkboxen«, aus welchen Elementen ein Geschäft besteht und wo sie überall innovieren können, andererseits brauchen sie einen »Prozess«, um die Denkboxen strukturiert und gleichzeitig kreativ mit Inhalt zu füllen.

Die für Gründer notwendige Denkbox ist das »Geschäftsmodell« mit all seinen Elementen und Bausteinen.

Der Prozess hilft diese Denboxen mit Inhalten zu füllen. Dabei wird nicht wie beim Business Plan am stillen Kämmerlein das Ziel geplant, sondern der Weg zum Richtigen. Der Prozess zwingt Gründer in einen strukturierten, hoch kreativen Prozess, um mittels Prototypen herauszufinden, was wirklich funktioniert.

Wir freuen uns auf mehr und bessere Gründer in Europa!