Wie muss ich mein Geschäftsmodell in Corona-Zeiten kurzfristig anpassen

Die aktuelle Coronakrise geht an keinem Unternehmen vorbei. Die wenigsten hatten eine Plan, wie sie auf eine Pandemie reagieren sollten.

Anstatt sich zu beklagen, ist es Zeit, sein Geschäftsmodell an Corona anzupassen. Das ist nicht einfach. Das kann sehr weh tun, aber den Kopf in den Sand stecken ist nicht die richtige Einstellung einer Unternehmerin oder Unternehmers.

Für die Gründerplattform habe ich über die Folgen von Corona auf eure Geschäftsmodelle gesprochen. Während diesen Zeiten lernen Unternehmer wirklich ihr Geschäftsmodell und ihre Relevanz für Kunden kennen.

Takeaway von Restaurants in Innenstadtlagen?

Man denkt, man hätte ein Restaurant, wo doch auch ein Takeaway funktionieren sollte. Aber dann stellt man fest, dass das Restaurant in einer Geschäftsgegend der Stadt liegt und eben alle jetzt von zuhause arbeiten, so dass Takeaway keine Option ist. Es sind einfach keine Kunden in dieser Gegend der Stadt.

Weinhandlung gleich Weinhandlung, oder was es bedeutet, wenn Kunden freiwillig und mit Freude die Adresse geteilt haben?

Auch ist es ein Unterschied, ob man Wein einfach so in einem Geschäft verkauft oder ob man Wein in einem Geschäft an Kunden verkauft, die sich freuen namentlich erfasst zu werden. Das zweite Geschäftsmodell ist in der Corona-Krise genial, denn jetzt kann ich alle Kunden hoch persönlich anschreiben oder anrufen und ihnen Wein so verkaufen. Das Geschäft ohne Kundenadresse hat einen grossen Nachteil in diesen Zeiten, denn der Unternehmer muss aufwändig die Menschen zuhause erreichen, dass jetzt sein Wein online gekauft wird. Ein kleiner, aber entscheidender Vorteil für das Geschäftsmodell, das aus anonymen Kunden, namentlich bekannte Menschen gemacht hat.

Arbeitet an der Relevanz Eures Geschäftsmodells

Erfolgreich trotz Corona-Krise, Patrick Stähler hat ein paar Tipps.

Von Erfindern und Unternehmern: Nicht die Technologie entscheidet, sondern das Geschäftsmodell

Technologie ist der Treiber für die Entwicklung der Wirtschaft. Ohne Musikkomprimierung gäbe es kein iTunes oder Spotify. Ohne Sensoren, die die Welt erfassen, wird es kein autonomes Auto geben, an dem Autounternehmen aber auch branchefremde Unternehmen wie Google arbeiten.

Technologie ist der Treiber, doch bleibt die Wertschöpfung nicht bei den Erfindern, sondern bei Unternehmern, die erkennen, wie sich Märkte durch radikal neue Geschäftsmodelle „umkrempeln“ lassen.

Zusammenhang_Technologie_Geschaeftsmodell_Wert

Nicht Technologie, sondern Geschäftsmodelle, die durch Technologie ermöglicht werden, sind entscheidend. Diese Erkenntnis mag bitter für Erfinder sein, aber nicht nur Ingenieurkunst ist gefragt, sondern auch die Kunst des Unternehmers, der aus einer Technologie ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickelt.

Das ist die Kunst, die jeder Unternehmer beherrschen muss. So ist das leider, liebe Ingenieure.

Liebe die Aufgabe Deines Kunden und nicht Deine Idee

Gründer lieben ihre erste Idee. Es schon faszinierend, wenn ich mit Gründern rede und sie immer nur von ihrer Geschäftsidee reden, aber sehr wenig darüber, welchen Nutzen diese Idee bei Kunden haben könnte.

Warum sind Gründer so vernarrt in ihre Idee? Warum sind sie nicht in den Kunden vernarrt und in den Nutzen, den sie für ihn schaffen wollen?

Viele Ideen hören sich toll an, sind aber nicht relevant genug für Kunden

Häufig kommt als Argument, dass ganz viele Leute ihre Idee ganz toll fänden, wenn die Gründer die Idee vorstellen.

Tja, da ist aber ein grosser Unterschied, ob jetzt eine Idee toll ist und von allen geliebt wird oder ob eine Idee relevant für Kunden ist und Kunden bereit sich dafür auch Geld zu zahlen.

Toll ist nicht gleich relevant. Und am Ende kommt es auf Relevanz für Kunden an, denn nur so entsteht die Zahlungsbereitschaft, damit auch die Umsätze zum fliegen kommen und nicht nur die Bewertungen!

Toll ≠ relevant -> Zahlungsbereitschaft.

Gründer lernen es später. Warum nicht mal früher?

Für mich ist dieses Verhalten ein Rätsel, aber scheinbar müssen alle Gründer immer auf dem harten Weg lernen, dass eben nicht allein die Schönheit der Idee zählt, sondern die Relevanz der Idee für ein Kundensegment.

Leider haben wir genügend Investoren, die für die Hipness einer Idee gehen (Herdentrieb lässt grüssen) und weniger nach der Relevanz. Die Investoren sind in dieser Beziehung aber recht rational, da sie ja nicht mit dem Ertragsmodell des Unternehmens Geld verdienen wollen, sondern durch den Verkauf ihrer Beteiligung.

Sprich, sie müssen ein Momentum für die Idee aufbauen, sprich eine Blase generieren, um andere zu finden, die eben aufgrund der super hippen Idee eben noch mehr zu zahlen bereit sind. Dieses Spiel ist ein Schneeballsystem.

Der wahre Wert ist der Kundennutzen

Der wahre Wert eines Unternehmens liegt im Nutzen, den es für seine Kunden schafft. Je höher dieser ist, desto langfristiger ist der generierte Wert. Diese Meinung mag sich sehr konservativ anhören, aber für den normalen Gründer ist es wichtig sich allein über den Kunden und dessen Nutzen zu definieren, und nicht über die pseudo-Bewertungen, die eine hippe Idee haben könnte.