Die Kunst des Pitchings

Oft wird erwartet, dass die Kunden von allein kommen werden, wenn das Produkt gut ist. Diese Art des Denkens ist gefährlich. Man muss sein Produkt verkaufen – also nicht ins Regal legen, sondern anpreisen. Dies wird auch »Pitching« genannt. Jede Idee ist nur so gut, wie sie verkauft wird.

Pitchen ist wie Dating

Stellen Sie sich ein Date vor, bei dem Sie Ihr Gegenüber nur zutexten und erzählen, wie großartig Sie sind. Da wecken Sie keine Neugier und kein Interesse. Sie langweilen. Schaffen Sie es aber, Beziehung herzustellen und sich nicht interessant zu machen, sondern unentbehrlich, werden Sie Erfolg haben.

Wecken Sie Neugier oder gar Liebe

So ist das auch beim Pitchen. Am Ende soll Ihr Gegenüber mehr über Sie wissen und Sie nicht mehr missen wollen. Die Kunst des Pitchings weiterlesen

Die Rolle des Unternehmers

Die meisten Junggründer/innen sind in der Rolle des Selbständigen gefangen. Sie arbeiten ständig und selbst. Das ist am Anfang verständlich, aber so wird aus einem Jungunternehmer leider nie ein Unternehmer. 

Gründer müssen sich ihrer vier Rolle klar sein, die sie nicht delegieren können.

  • Kundenversteher
  • Geschäftsarchitekt
  • Basisökonom
  • Teambauer

Alles was nicht in diese Rollen fällt, müssen und sollten Sie als Gründer auch nicht machen. Konzentrieren Sie sich auf das, was nur Sie machen können.

Kundenversteher

Warum sollten Ihre Kunden Sie lieben?

Es ist nicht nur entscheidend zu wissen, wer Ihr Kunde ist und welche Aufgabe Sie für ihn über- nehmen können. Sie müssen auch jene Dinge über ihn in Erfahrung bringen, die ihm vielleicht gar nicht bewusst sind. Denn für Sie als Gründer ist es entscheidend, wie und warum Ihr Kunde sich für Sie entscheidet. Der Kundenversteher ist die erste Rolle für Sie als Unternehmer.

GeschäftsarchitektGeschäftsarchitekt legt Struktur fest

Wie Sie die Begeisterung für Ihre Kunden produzieren, und zwar wörtlich, bestimmt Ihre Geschäftsstruktur. Erst jetzt stellt sich die Frage, was Sie genau anbieten und produzieren und damit das Versprechen einlösen, das Sie mit dem Kundennutzen gemacht haben. Es geht jetzt um die sichtbare Seite Ihres Unternehmens. Sozusagen um das, was im Schaufenster liegt und wie es dahin gekommen ist.

Ein Architekt mauert nicht

Ein Architekt gestaltet ein Haus und seine Einzel- teile so, dass alles zusammenpasst und funktioniert. Er produziert die Bausteine allerdings nicht selbst; er mauert nicht und verlegt auch keine Leitungen, er sagt lediglich, was wo hingehört. Als Unternehmer gehen Sie genauso vor: Gewisse Elemente Ihrer Produktion lagern Sie aus, andere übertragen Sie an Fachkräfte. Es ist nicht Ihre Aufgabe als Geschäftsarchitekt, alles selbst zu machen, sondern den Überblick zu behalten.

Sie sehen: Als Unternehmer haben Sie bis jetzt zwei Rollen: »Kundenversteher« und »Geschäftsarchitekt«. Beide Rollen greifen eng ineinander, denn die Erkenntnisse aus der einen Sichtweise verbesserte die andere.

BasisökonomErtragsmodell

Sie müssen nicht Finanzexperte sein, um ein Unternehmen zu gründen, aber in Ihrer dritten Rolle als »Basisökonom« müssen Sie die grundlegenden finanziellen Gesetzmäßigkeiten oder die Ökonomie Ihres Geschäftes verstehen. Die Rolle des Unternehmers weiterlesen

Warum sollte ihr Startup überhaupt existieren? Ihr Standpunkt

Viele Gründer erzählen mir, dass sie eine ganz tolle Idee hätten. Sie erläutern mir dann, was für ein fantastisches Produkt sie hätten und wenn sie schon weiter sind, erläutern sie mir ihr Geschäftsmodell.

Wenn sie geübt haben, dann hören sich die Geschichten immer gut an. Nur reicht das? Nein.

Was ist der Standpunkt, warum sie existieren sollen?

Ideen gibt es viele, nicht alle hören sich gut an, aber manche und trotzdem reicht mir das nicht.

Ich will vom Gründer immer wissen, was sein Standpunkt ist, warum es das Unternehmen aus Kunden- oder Marktsicht braucht. Ich will seine Customer Insights hören, warum Kunden diese Idee schätzen werden. Ich will wissen, wie er zu den Customer Insights gekommen ist und wie er sie validiert hat.

Sprich, mich interessiert am Anfang die Lösung weniger als die Frage, warum es aus Kundensicht überhaupt ein Problem gibt, was das Startup lösen möchte. Nur das interessiert mich.

Hier die Vorlage, die ich von jedem Startup aber auch von allen internen Venture-Ideen ausfüllen lasse:

Der Standpunkt warum wir existieren müssen

Und die meisten scheitern leider dort. Sie lieben ihre Idee und nicht ihre Kunden und deren Jobs-to-be-done. Wir hätten in Deutschland bessere Startups, wenn jeder Gründer seines Standpunktes klar wäre.

Also, liebe Gründer: Schreiben Sie ihren Standpunkt auf und überprüfen Sie immer wieder, ob er stimmt. Denn in der Phase sind alles Annahmen und keine Gewissheiten.

Von Erfindern und Unternehmern: Nicht die Technologie entscheidet, sondern das Geschäftsmodell

Technologie ist der Treiber für die Entwicklung der Wirtschaft. Ohne Musikkomprimierung gäbe es kein iTunes oder Spotify. Ohne Sensoren, die die Welt erfassen, wird es kein autonomes Auto geben, an dem Autounternehmen aber auch branchefremde Unternehmen wie Google arbeiten.

Technologie ist der Treiber, doch bleibt die Wertschöpfung nicht bei den Erfindern, sondern bei Unternehmern, die erkennen, wie sich Märkte durch radikal neue Geschäftsmodelle „umkrempeln“ lassen.

Zusammenhang_Technologie_Geschaeftsmodell_Wert

Nicht Technologie, sondern Geschäftsmodelle, die durch Technologie ermöglicht werden, sind entscheidend. Diese Erkenntnis mag bitter für Erfinder sein, aber nicht nur Ingenieurkunst ist gefragt, sondern auch die Kunst des Unternehmers, der aus einer Technologie ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickelt.

Das ist die Kunst, die jeder Unternehmer beherrschen muss. So ist das leider, liebe Ingenieure.

Liebe die Aufgabe Deines Kunden und nicht Deine Idee

Gründer lieben ihre erste Idee. Es schon faszinierend, wenn ich mit Gründern rede und sie immer nur von ihrer Geschäftsidee reden, aber sehr wenig darüber, welchen Nutzen diese Idee bei Kunden haben könnte.

Warum sind Gründer so vernarrt in ihre Idee? Warum sind sie nicht in den Kunden vernarrt und in den Nutzen, den sie für ihn schaffen wollen?

Viele Ideen hören sich toll an, sind aber nicht relevant genug für Kunden

Häufig kommt als Argument, dass ganz viele Leute ihre Idee ganz toll fänden, wenn die Gründer die Idee vorstellen.

Tja, da ist aber ein grosser Unterschied, ob jetzt eine Idee toll ist und von allen geliebt wird oder ob eine Idee relevant für Kunden ist und Kunden bereit sich dafür auch Geld zu zahlen.

Toll ist nicht gleich relevant. Und am Ende kommt es auf Relevanz für Kunden an, denn nur so entsteht die Zahlungsbereitschaft, damit auch die Umsätze zum fliegen kommen und nicht nur die Bewertungen!

Toll ≠ relevant -> Zahlungsbereitschaft.

Gründer lernen es später. Warum nicht mal früher?

Für mich ist dieses Verhalten ein Rätsel, aber scheinbar müssen alle Gründer immer auf dem harten Weg lernen, dass eben nicht allein die Schönheit der Idee zählt, sondern die Relevanz der Idee für ein Kundensegment.

Leider haben wir genügend Investoren, die für die Hipness einer Idee gehen (Herdentrieb lässt grüssen) und weniger nach der Relevanz. Die Investoren sind in dieser Beziehung aber recht rational, da sie ja nicht mit dem Ertragsmodell des Unternehmens Geld verdienen wollen, sondern durch den Verkauf ihrer Beteiligung.

Sprich, sie müssen ein Momentum für die Idee aufbauen, sprich eine Blase generieren, um andere zu finden, die eben aufgrund der super hippen Idee eben noch mehr zu zahlen bereit sind. Dieses Spiel ist ein Schneeballsystem.

Der wahre Wert ist der Kundennutzen

Der wahre Wert eines Unternehmens liegt im Nutzen, den es für seine Kunden schafft. Je höher dieser ist, desto langfristiger ist der generierte Wert. Diese Meinung mag sich sehr konservativ anhören, aber für den normalen Gründer ist es wichtig sich allein über den Kunden und dessen Nutzen zu definieren, und nicht über die pseudo-Bewertungen, die eine hippe Idee haben könnte.